Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 31. Dezember 2016 In Predigten 0 Comment

Predigt zu Johannes 8,12-16 am 26.12.2016

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn Jesus Christus! AMEN

Text: Johannes 8,12-16

Liebe Gemeinde,

Jesus ist das Licht der Welt! Was bedeutet das? Da gibt es einen, der das Dunkel der Welt hell macht. Der Evangelist Johannes setzt also voraus, dass die Welt dunkel ist, dunkel von dem vielen Leid und all dem, was nicht so ist, dass Menschen getrost leben können. Dunkel, damit meint er Intoleranz, Ungerechtigkeit, Leid, Quälerei, Krankheit, Böses in jeder Form und Gestalt, eine Welt, die gott-los ist!

In dieses Dunkel und in diese Ferne von Gott hinein, scheint mit der Geburt von Jesus ein helles Licht hinein. Nicht weil die Welt das erwartet und ersehnt hätte, sondern weil Gott selber die Welt retten wollte!

Und nun liegt da dieses kleine Kind in seiner Krippe und leuchtet in das Dunkel hinein, von seinem ersten Atemzug an! Gott wird ein Kind, um unsere Herzen zu erreichen. Ist es nicht immer wieder der Blick in Kinderaugen, der uns fröhlich macht und über das Leben staunen lässt? Die Klarheit solcher Augen, ihre Reinheit fasziniert. Gott wird solch ein Kind, um uns zu erreichen. Viele Künstler, die die Weihnachtsgeschichte gemalt haben, lassen von der Krippe ein Strahlen und Leuchten ausgehen, das sich auf den Gesichtern von Maria, Josef und den anbetenden Hirten widerspiegelt. Das Gotteskind taucht alle Menschen und die ganze Welt in ein neues Licht. Es erhellt die Dunkelheiten der Welt, es durchdringt sie, wie eine subversive Idee, die das Unrecht nachhaltig in Frage stellt, bis es weichen muss. Das Licht des Jesuskindes infiziert die Dunkelheit der Welt mit Licht, so dass man durch die Dunkelheit hindurch zum Licht finden kann! Wie ein kleines Lichtfünkchen am Ende des Tunnels den Ausweg anzeigt, und das Dunkel der Nacht, so leuchtet das Kind in der Krippe die Dunkelheit der Welt aus. Zu diesem Kind kann man finden! Es leuchtet hell genug, dass man es sehen kann. Und der erwachsene Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln tappen, sondern wird das Licht des Lebens haben!

An anderer Stelle des Neuen Testaments wird uns gesagt:

Mit der Taufe hat Euch Gott ins Licht und in den Machtbereich seines lieben Sohnes versetzt. Und so leben wir schon ganz im Licht, mitten in der Dunkelheit dieser Welt.

Deswegen haben Christen einen neuen und anderen Blick auf das Leben und die Welt. Im Licht dieses Jesus Christus ist die Zukunft des Menschen verbürgt und hell, nicht dunkel! Denn was uns auch geschieht in diesem irdischen Leben, wir sind von Christus gehalten, in sein Licht hineingehoben mitsamt all unseren Dunkeheiten. Na klar gibt es Tage, da sehen wir nur schwarz und dunkel. Da ist uns alles zu schwer und zu hoffnungslos. Da fürchten wir uns vor den Nächten, die auf uns warten. Aber Christus hält uns doch in seiner Hand und um uns und unsere Dunkelheiten herum scheint sein helles Licht. Ab und zu sind unsere Augen gehalten, im Schmerz und in Ängsten. Aber das Licht ist doch um uns und in uns ist es auch, wenn es manchmal auch nur noch glimmt.

Aber was heißt denn das genau, im  Machtbereich Jesu zu leben und in seinem Licht? Das bedeutet, ich habe einen Herrn, dem ich vertrauen kann im Leben und im Sterben. Und auch wenn ich durchs dunkle Tal gehe, erwarte ich am Ende sein Licht. Ich traue ihm zu, dass er das Dunkel für mich lichtet. Er ist gekommen, dass ich das Leben und volle Genüge haben soll. Alles soll ich haben, was ich zum Leben brauche an Leib und Seele. Was braucht ein Mensch denn, dass er getrost leben kann?

Er braucht einen Sinn in seinem Leben, ein Wissen um sein Woher und sein Wohin! Jesus weiß woher er kommt und wohin er geht. Er kommt vom Vater und er geht zum Vater. Und er sagt uns so: Euer Leben kommt von Gott, dem Schöpfer, der euer Vater ist und es geht zum Vater, der euer Schöpfer ist. Das schafft Sinn für unser Leben. Wir sind nicht einfach auf einem Planeten geboren, auf dem wir wieder zu Erde werden. Unser Leben und Sein ist viel mehr und hat einen viel weiteren Horizont! Wir sind Gottes geliebte Söhne und Töchter, die er, einmal geschaffen, nicht mehr vermissen will. Für uns alle schickt er seinen Sohn in Fleisch und Blut!

Was brauchen wir noch, um getrost zu leben? Wir haben Angst vor dem Sterben und vor dem Tod. Wir fürchten uns davor, uns selber loslassen zu müssen und auch all die, die wir lieben. Wir haben Angst vor dem Dunkel, das wir mit dem Tod verbinden.

Und da steht  nun der Christus vor uns und holt uns ein in sein Licht und spricht: Ins Licht wirst Du gehen, nicht ins Dunkel! Und ich bin vor Dir durch das Dunkel des Todes gegangen und habe dort meine Lichtspur hinterlassen. Wenn Du einmal dort durch musst, dann bin ich auch dort bei dir.

Was brauchen wir noch, um getrost zu leben? Hoffnung braucht der Mensch, dass er seinen Weg auch schaffen kann und dass er seine Aufgaben im Leben bewältigen kann. Wie viel Angst haben wir davor, zu versagen im Leben! Wie groß ist unsere Angst, schuldig zu werden. Sie ist so groß, dass heutzutage ein jeder sich davor fürchtet, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen, die nötig sind auch zu treffen. Wir haben jämmerliche Angst davor, verurteilt oder an den Pranger gestellt zu werden in dieser Gesellschaft.

Jesus sagt uns: Ich richte niemand. Ich verurteile niemand. Ich weiß, dass das niemand weiterbringt. Was Menschen weiterbringt ist die Freiheit, noch einmal von vorne beginnen zu dürfen. Diese Freiheit schenke ich ihnen. Wau! Was für ein Herr! Ich bin das Licht der Welt! Ich bin dein Licht sagt Jesus. Mein Licht fällt auch auf Deine Schatten und auf Deine Schuld. In meinem Licht zerfällt sie zu Staub und muss raus aus deinem Leben. Du aber, sündige hinfort nicht mehr, denn du lebst doch in meinem Licht! Jesus leistet sich das mit uns. Er hat es teuer mit seinem eigenen Leben bezahlt am Kreuz. Martin Luther konnte deshalb sagen: Wir, die wir im Licht Christi leben, sind immer zugleich Sünder und doch von Gott unschuldig gemachte Menschen. Und deswegen können wir tapfer Verantwortung übernehmen und tragen, uns im Leben auch mal die Hände schmutzig machen, das bleibt nicht aus und auch schuldig werden dabei. Das bleibt auch nicht aus, wenn einer Verantwortung trägt. Wie Dietrich Bonhoeffer, der zum Attentat auf Hitler bereit war, um andere zu retten. Ein Verstoß gegen das 5. Gebot war es dennoch und also ein Schuldigwerden, - aber ein getrostes Schuldigwerden mit allen Konsequenzen. Es hat Bonhoeffer das Leben gekostet. Aber es war trotzdem Leben im Licht Christi! Unschuldig kommt kein einziger Mensch durch dieses Leben. Und manchmal ist es besser schuldig zu werden, als tatenlos zu bleiben. Gott weiß das. Gerade darum hat er uns Christus als sein Licht geschickt. Unschuldig kommen wir nicht durchs Leben, aber hoffentlich so, wie der Heilige Christophorus, mit dem Christuskind auf unseren Schultern und in unserem Herzen bis zum Ende! Brot und Wein sind unsere Wegzehrung durch helle und besonders auch durch unsere dunklen Tage. Der Glanz des Christus liegt auf diesen Gaben, die wir von seinem Tisch empfangen. Nehmt und esst, das bin ich für Euch. Nehmt und trinkt! Das ist meine Kraft für Euch! Wir nehmen Christus und sein Licht in uns auf an seinem Tisch. Wir leuchten von innen her. Wir tragen ihn in unseren Augen auf unseren Schultern, in unseren Worten und Taten. Wir können in seinem Licht unsere Schuld begraben sein lassen und nach vorne schauen.

Vorweggenommen in sein Haus aus Licht hoffen wir ihm entgegen, tragen ihn in die dunkel Welt, lassen ihn leuchten in unseren eigenen Jammer und trauen ihm zu, dass er es gut mit uns macht. Und die Krönung unseres Glaubens ist es, wenn wir ihn für dieses Leben loben können, gerade so wie wir es haben und leben dürfen und mit dem Beter des 139. Psalms und mit Jules Taufspruch sprechen wollen:

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke! Das erkennt meine Seele wohl!

Weihnachten heißt doch: Gott sagt mir, wie wunderbar ich bin!

Ganz wunderbar! Darum preisen wir den Herrn, dass er Mensch geboren ist aus Fleisch und Blut und unser Menschsein mit seinem Licht erfüllt hat.

AMEN

 

 

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  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl und evangelische Polizeiseelsorgerin für den Landkreis Waldshut.

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