Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 23. Juli 2015 In Predigten 0 Comment

Predigt zu Joh 4,5-7;9-22;24-30;39-42 am 19.07.2015

Liebe Gemeinde,

heute wollen wir den Predigttext aus dem Johannesevangelium mit verteilten Rollen vortragen. Es ist ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium: Joh 4,5-7; Joh 4,9-22; Joh 4,24-30;Joh 4,39-42

Erzähler: Jesus kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war mittags um 12.00 Uhr. Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Jesus: Gib mir zu trinken!

 

Erzähler: Da spricht die samaritische Frau zu ihm:

Samaritanerin: Wie?!  Du bittest mich um etwas zu trinken, wo du doch ein Jude bist und ich eine samaritische Frau?

Erzähler: Wundert euch die schnippische Frage? Ihr müsst schon wissen: Die Juden wollen normalerweise mit den Samaritern nichts zu tun haben. Aber Jesus antwortete und sprach zu ihr:

Jesus: Wenn du wüsstest, wer ich bin, der ich dich grade um Wasser bitte, und was ich dir geben kann, dann würdest du mich bitten und ich würde dir lebendiges Wasser geben.

Samaritanerin: Herr, du hast doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser? Hast du etwa besseres Wasser als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. Und es war immer gut!

Jesus: Wer von diesem Wasser trinkt, der wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit keinen Durst mehr haben, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

Samaritanerin: Herr, gib mir solches Wasser, damit ich keinen Durst mehr kriege und nicht mehr herkommen muss, um zu schöpfen!

Jesus: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her!

Samaritanerin: Ich habe keinen Mann.

Jesus: Du hast recht, dass du sagst: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt.

Samaritanerin: ( zum Publikum gewandt..) Woher weißt ER….?  Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr Juden sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man Gott anbeten soll.

Jesus: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten und das kann man an jedem Ort der Welt!

Samaritanerin: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn der kommt, wird er uns alles verkündigen.

Jesus: Ich bin's und ich rede gerade mit dir!

Erzähler: Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und sprach zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei! Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb zwei Tage da. Und noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen und sprachen zu der Frau: Von nun an glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wirklich der Heiland der Welt!

 

Liebe Gemeinde,

nach den jüngst so heißen Tagen können wir gut verstehen, wie lebensnotwendig Wasser ist, am besten noch leicht gekühltes aus dem Kühlschrank! Und wir wundern uns vielleicht auch, warum die Samaritanerin mittags um 12.00 Uhr, also in der größten Hitze Wasser holen geht. Ich würde das lieber morgens um halb sieben machen, wenn die Sonne noch nicht ganz so heiß brennt.

Dass diese Frau um 12.00 Uhr geht, das hat seinen Grund. Das haben wir gehört. Sie hat ein Problem mit ihrer Beziehungskiste. Zum sechsten Mal schon versucht sie, mit einem Mann glücklich zu werden, vermutlich ohne Trauschein. Und diese Art von Lebenswandel findet nicht eben die Zustimmung der Leute in Sychar. Und die Frau selber ist auch nicht glücklich. Nein, im Gegenteil! Sie kriegt das einfach nicht gebacken, eine funktionierende Beziehung. So flattert sie wie ein Schmetterling von Mann zu Mann, immer voller Sehnsucht nach Erfüllung, immer auf der Suche nach dem Glück, aber das will sich einfach nicht einstellen und so flattert sie weiter. Wenn sie das Haus verlässt, folgen ihr abschätzige Blicke. Die Leute fangen an zu tuscheln über das Flittchen. Das will sie so gut es geht vermeiden, darum geht sie um12.00 Uhr zum Wasserholen, wenn die andern Siesta machen.

Wahrscheinlich hätte sie ohne Jesus noch lange flattern müssen, um ihre Lebenssehnsucht, um diesen heftigen Durst zu löschen. Aber Gott sei Dank! Er ist ihr über den Weg gelaufen!

Wir Menschen versuchen im Leben manches, um unseren Lebensdurst zu löschen. Den hat ja jeder und jede. Und irgendwie schreit dieser Durst nach Lebenswasser, nach einem Sehnsuchtsstiller. Den zu finden, ist meist nicht einfach. Menschen probieren dafür allerhand.

Manche ertränken sich in Arbeit und suchen dauernd noch einen größeren Erfolg im Beruf. Andere dopen sich mit Sport, bringen sich dabei körperlich an ihre Grenzen und meinen, das könnte den Lebensdurst stillen. Wieder andere versuchen es mit immer wieder wechselnden Konsumgütern: der neue Porsche, die neue Jacht und dann ein neues Haus. Und kaum ist der Reiz des Neuen verflogen, ist die Sehnsucht auch schon wieder da! Andere suchen ihr Heil in der Beziehungskiste, wie die Frau am Jakobsbrunnen. Sie erwarten ihr Heil von einem andern Menschen und erleben, wie sie den Partner damit überfordern und selbst auch gar nicht glücklich werden können. Wer selbst nicht glücklich ist, kann zum Glück eines andern Menschen auch nichts beitragen. Es wäre ja auch vermessen, wollten wir von unserem Ehepartner die Stillung unserer Lebenssehnsucht erwarten. Das kann der oder die gar nicht. Da sind und bleiben wir Menschen auf Gott selber angewiesen, auch als Mann und Frau.

Es ist ganz genauso, wie es der Kirchenvater Augustinus einst gesagt hat: „ Unser Herz ist unruhig in uns bis es Ruhe findet in Gott.“

Als junger Mann war der Augustinus auch so einer, wie die Samaritanerin und hat gemeint, mit einem Menschen müsste er doch irgendwann seine Sehnsucht stillen können. So kam es, dass er vielen das Herz gebrochen hat, aber niemand glücklich gemacht hat, am wenigsten sich selber. Seine Mutter Monika hat viele, viele Jahre für ihn gebetet, dass Christus ihm doch lebendiges Wasser gegen seinen Lebensdurst schenken möchte! Und das geschah dann tatsächlich. Jesus hat dem Augustinus gezeigt: Dein Glück musst Du bei Gott und mit Gott suchen, denn Du hast in deinem Herzen ein Kämmerlein, das ist seit deiner Geburt für Gott gedacht und solange er da drinnen nicht wohnt, fehlt er dir! Lass ihn ein! Das hat Augustinus getan und er ist ein ganz neuer und anderer Mensch geworden. Sein Herz wurde still, sein Lebensdurst war gelöscht. Und darum hat er diesen wunderbaren Satz aufschreiben können: Unser Herz ist unruhig in uns, bis es Ruhe findet in Gott.

Jetzt fragt ihr vielleicht: Wie kann ich dahin kommen, dass mein Lebensdurst gestillt wird? Wie zapfe ich die Quelle des lebendigen Wassers an? Selber können wir eigentlich nur darum beten! Oder es geht ganz ähnlich wie bei der Frau. Sie geht nichtsahnend zum Brunnen und trifft dort völlig ungeplant und sozusagen unverdient und ohne dass sie darum gebetet hätte auf Jesus, den Heiland jedes Menschen. Fast hat man den Eindruck, Jesus musste dort Rast machen, weil Gott wollte, dass diese Frau das Wasser gegen ihren unersättlichen Lebensdurst bekommen sollte. So geht das oft bei Gott. Unversehens steht er vor uns und bittet um Einlass in unser Herz. Dann ist es prima, wenn wir die Chance ergreifen können. Manchmal haben wir auch Tomaten auf den Augen und Petersilie in den Ohren, sehen nichts und hören nichts, obwohl Gott deutlich vor uns steht. Gott sei Dank versucht er es mehrmals bei uns, ob er Einlass findet.

Und das hat noch niemanden leidgetan, der das erleben durfte! Wenn das Kämmerchen für Gott in unserem Herzen bewohnt ist, dann ist das, als ob Jesus Christus mein Leben mit Lebenswasser gießt, wie ein Gärtner seinen Garten. Da wächst dann so allerhand, was da vorher nicht wachsen konnte. Unser Herz, das vorher vielleicht dürr und trocken war, nichts richtig empfinden konnte, wird ganz lebendig und empfindsam. Hoffnung wächst da und Friede und viel, viel Liebe wächst da. So ein Kännchen Lebenswasser verändert ganz schön viel in einem Menschenleben.

Ich hoffe plötzlich, dass dieses Leben letztendlich Sinn macht, obwohl ich ihn vielleicht gar nicht sehe. Ich glaube plötzlich, dass mich einer trägt, auch wenn mein Leben vielleicht gerade aus den Fugen ist. Ich sehe plötzlich den Menschen neben mir, der mir nie aufgefallen ist und ich sehe, was er braucht. Ich sehe plötzlich alles  in einem andern Licht. Das ist die Wirkung von lebendigem Wasser, das Christus über uns ausgießt. Er nennt es an anderer Stelle den Heiligen Geist.

Die Frau am Jakobsbrunnen hat ihn bekommen. Wie aus heiterem Himmel begreift sie, dass in Jesus Gott selber vor ihr steht. Und sie ist komplett überwältigt und lässt das Alte hinter sich. Sie lässt den Krug mit dem Jakobswasser ihres alten Lebens einfach stehen. Jetzt beginnt für sie das Leben neu. Voller Freude läuft sie in die Stadt und beginnt, von Jesus zu erzählen. Sie wird von jetzt auf nachher eine Jüngerin und Apostelin. Durch ihr Zeugnis von Jesus kommt eine große Menge Menschen aus Sychar zu Jesus und dann zum Glauben an ihn. Das Lebenswasser, das Jesus der Frau gab, schafft noch mehr Leben! Sie sprudelt über wie eine Quelle und verschenkt das Lebenswasser, wo sie hinkommt. Sie hinterlässt eine Spur aufkeimender Saat. Hoffnung keimt und Freude und Frieden in Sychar. Es ist wie Jesus später sagen wird: Wer an mich glaubt, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Joh 7,38 Zwei Tage ist Jesus noch in Sychar geblieben und hat lebendiges Wasser ausgeteilt. Und ich wünsche mir sehr, dass er auch zu uns in unsere Gemeinde kommt und dass er auch uns das lebendige Wasser schenkt, immer wieder neu!

AMEN

 

 

 

Gelesen 3745 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 23 Juli 2015 16:13
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

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