Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 25. September 2011 In Predigten 0 Comment

Bittgebet für die Papierfabrik am 22.09.2011

Bittgebet für den 22.09.11 Papierfabrik bedroht

 

Die Glocken der beiden großen christlichen Kirchen läuten von 18.55 Uhr bis 19.00 Uhr gemeinsam. Eine Glocke der kath. Kirche wurde einst  von der Papierfabrik gestiftet.

 

 

Begrüßung: Wir heißen Sie herzlich willkommen in unserer Evangelischen Kirche, wir -  das sind Frau Dekanin Christiane Vogel als Vertreterin des Evang. Kirchenbezirkes Hochrhein, Herr Diakon Harald Gräf und ich als Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck. Die Glocken der katholischen Kirche und die der evangelischen Kirche haben zusammen geläutet, um die Menschen unserer Gemeinde herbeizurufen. Eine der Glocken der katholischen Kirche ist einst von der Papierfabrik gestiftet worden. Wir haben zum Bittgebet eingeladen. Sie sind gekommen. Wir wollen beten, denn morgen gibt es einen Runden Tisch zur Zukunft unserer Papierfabrik. Wir bangen gemeinsam, aber wir hoffen auch gemeinsam. Und wir wollen unsere Sorgen und Ängste heute vor Gott tragen und sein Wort hören. Wir wollen beten für gute Gespräche morgen an diesem runden Tisch.

 

Votum: Alles, was jetzt geschieht, es geschehe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!  AMEN

 

Wir zünden ein Licht der Hoffnung an!

Die Sache ins Gebet nehmen

1. Wir denken jetzt an alle, deren Arbeitsplätze bedroht sind, an die, die älter als 50 Jahre sind und Angst haben müssen, dass niemand sie mehr einstellen könnte. Kyrie

2. Wir denken an die jungen Familien, die ein Haus gebaut haben, die Kinder aufziehen und sich hier zuhause fühlen. Kyrie

3. Wir denken an die Familien, aus denen mehrere Mitglieder in der Papierfabrik arbeiten .Kyrie

1 .Wir denken an die Jugendlichen, die mitten in einer Lehre sind und an die, die im September mit ihrer Lehre beginnen sollten. Kyrie

2. Wir denken an die Holzbauern auf dem Wald und alle Zulieferbetriebe, an die Handwerksbetriebe, an die Menschen, die in den Speditionen für die Papierfabrik fahren und arbeiten. Kyrie

3. Wir denken an unser Dorf, das mit der Fabrik zusammen ein Organismus ist. Kyrie

1. Wir denken an unseren Bürgermeister und die Gemeinderäte und an alle, die sich jetzt  um das Wohl unsere Gemeinde mühen. Kyrie

 

Lied: 366,1+2+5

 

Gebet

 

Herr,

du weißt alle Dinge. Du weißt die Not, die viele Menschen in unserer Gemeinde bedroht.

Wir brauchen unsere Arbeitsplätze.

Wir brauchen Brot und Wohnung und Lebensmöglichkeiten für Männer, Frauen und Kinder.

Wohin sollen so viele Menschen gehen, wenn hier keine Arbeit mehr ist?

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme dich!

 

Kyrie gesungen: 178.12

LESUNG. PSALM 121

STILLE

Eine Geschichte von Gottes Eingreifen in schwerer Zeit: Das Buch Ruth

Liebe Gemeinde,

eine Geschichte von Gottes Eingreifen in schwerer Zeit möchte ich heute erzählen, weil es eine Hoffnungsgeschichte ist und zwar eine ganz  normale Geschichte, die wenig Spektakuläres enthält, einfach so aus dem normalen Leben gegriffen, aber doch eine Geschichte, in der Gottes Dabeisein, sein Wirken sichtbar wird und das, was unsere Vorväter so genannt haben: Gott sitzt im Regiment. Er regiert. Und das tut er manchmal ganz verborgen und still und fast unbemerkt.

Die Frau, von der ich erzählen will, heißt Noomi. Mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen muss sie wegen einer Hungersnot ihre Heimat Bethlehem verlassen. Als Ausländer wohnen  sie im Land Moab. Dort gibt es noch genug zu essen, aber Noomis Mann  wird krank und stirbt. Allein muss Noomi ihre beiden Söhne groß ziehen. Es gelingt ihr und  beide finden Frauen in dem fremden Land. 10 Jahre vergehen, da rafft eine Krankheit beide Söhne weg. Noomi beschließt, wieder heimzugehen, nach Bethlehem. Den beiden jungen Frauen rät sie, daheim zu bleiben und noch einmal zu heiraten. Doch die eine, Ruth, will ihre Schwiegermutter nicht alleine lassen. Sie geht mit ihr. Als die beiden in Bethlehem ankommen, erkennen die Menschen Noomi wieder und rufen sie beim Namen. Noomi aber sagt: Nennt mich nicht Noomi, sondern nennt mich Mara, die Bittere; denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der Herr wieder heimgebracht.(Ruth 1,21)

Noomi meint, dass ihr Leben zu Ende ist, dass nichts mehr geht, dass alles einfach zerstört ist. Die beiden Frauen sind ohne einen Mann, der für sie sorgen könnte. Alles, was sie noch haben ist ein Feld von Noomis verstorbenem Mann. Was sie jetzt brauchen ist ein Löser, ein naher Verwandter, der den Besitz von Noomis Mann und dessen Söhnen kauft, die junge Witwe, Ruth, zur Frau nimmt und dem Toten zu Kindern verhilft, damit sein Name in Israel nicht ausstirbt. Aber wie soll das geschehen? Wie sollen die Frauen diesen Löser finden?

Manchmal fragen wir uns im Leben, wie es weitergehen soll. Ob es überhaupt noch weitergehen kann! Und dann kommt es darauf an, dass wir an die richtigen Menschen geraten, die uns begleiten und die die Macht haben, etwas zu ändern und dass wir selbst beherzt das Richtige tun und nicht den Kopf in den Sand stecken und alles verloren geben. Noomi , die schon die Bittere genannt werden wollte, sie darf erfahren, dass Gott noch etwas mit ihr vorhat.

Gott sitzt im Regiment und will das der Noomi auch zeigen.

Und das geschieht so ganz einfach im Alltag, so als wäre es ganz selbstverständlich.

Ruth geht in der Erntezeit auf dem Feld Ährenlesen. Das war das gute Recht der Armen, dass sie die Ähren, die abfielen, einsammeln durften, um sich davon zu ernähren. Ruth gerät auf das Feld des Boas, des Mannes, der als Löser für sie und Noomi in Frage kommt. Das weiß Ruth aber nicht. Boas behandelt sie bevorzugt, befiehlt seinen Knechten, sie ja nicht anzurühren und gibt ihr eine extra Portion Körner mit nach Hause für Noomi.

Ob das Zufall war? Ich glaube kaum. Gott sitzt im Regiment!

Als Ruth der Noomi von Boas erzählt, begreift die alte Frau, dass Boas Ruth schon liebgewonnen hat und nun nimmt die alte Frau all ihre Beherztheit zusammen und rät der jungen, sich schön zu machen und sich in der Nacht des Erntefestes, wenn Boas bei seinem Korn übernachten würde, zu seinen Füßen hinzulegen. Ruth tut, was die alte Frau sie tun heißt. Boas verspricht Ruth in dieser Nacht, dass er sie heiraten werde, wenn der noch näher verwandte Löser ablehnen werde für die beiden Frauen zu sorgen. Am andern Morgen dann klärt Boas mit den Männern im Dorf ganz rechtsverbindlich, dass er das Erbe von Noomis und Ruths Mann lösen und Ruth zur Frau nehmen werde.

Gott sitzt im Regiment! Noomi muss nun im Alter nicht hungern und Ruth bekommt noch einmal einen Mann , mit dem sie das Leben teilen kann und durch den ihr Lebensunterhalt gesichert ist.

Übers Jahr bringt Ruth einen Sohn zur Welt. Er bekommt den Namen Obed. Noomi ist stolze Großmutter. Sie hat wieder eine richtige Familie. Im richtigen Moment hat sie das  Entscheidende erkannt und getan und hat der jungen Frau das Richtige geraten. Im richtigen Moment hat sie Gottes Fingerzeig gespürt und ist ihm gefolgt.

Ich wünsche uns auch, dass wir geistesgegenwärtig den rechten Zeitpunkt für das rechte Tun erkennen und ihn ergreifen. Ich wünsche uns im richtigen Moment die Beherztheit, die es braucht, um weiter zu kommen, damit wir im Rückblick dann auch einmal sagen dürfen: Gott sitzt im Regiment und hat es gut mit uns gemacht.  AMEN

 

Die Situation beschreiben:

 

Morgen treffen sich im Rathaus mit unserem Bürgermeister  Vertreter des UPM-Konzerns, des Betriebsrates der Papierfabrik und Vertreter der Gewerkschaft, sowie  der Landrat, die Abgeordneten des Wahlkreises,  sowie der  Regierungsvizepräsident, der Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg und der Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer. Alle gemeinsam wollen versuchen, eine Lösung und einen Weg in die Zukunft zu bahnen. Dass das gelingt, dafür wollen wir mit unseren Gebeten vor Gott treten und ihn um seine Hilfe bitten.

 

Fürbitten

Herr,

wir sind froh, dass Du zu uns stehst, egal, was kommt. Dafür danken wir Dir. Aber wir geben zu: Es ist uns Angst um unsere Zukunft. Noch weiß niemand, ob der Standort Albbruck erhalten bleiben wird.

1. Wir bitten dich für alle, die morgen am runden Tisch sitzen werden: Gib ihnen offene Ohren füreinander!

Alle: Herr, erbarme dich!

2. Wir bitten dich: Lass alle ehrlich zueinander sein, einander nichts vormachen, einander nicht nur hinhalten.

Alle: Herr, erbarme dich!

3. Lass sie sich nicht auf Gesetze und Vorschriften berufen, oder darauf, dass sie nicht befugt seien zu entscheiden, sondern lass alle gemeinsam Verantwortung übernehmen und tragen.

Alle: Herr, erbarme dich!

4. Lass alle miteinander auf das Wohl der Beschäftigten bedacht sein.

Alle: Herr, erbarme dich!

5. Dass nicht die Gewinnmaximierung das oberste Ziel sei, sondern das Leben derer, die hier arbeiten, das bitten wir dich!

Alle: Herr, erbarme dich!

6. Wir beten darum, Herr, dass du allen am Gespräch Beteiligten Phantasie schenkst, damit sie weiterführende und gute Lösungen finden. Und gib allen den Willen, dass sie solche finden wollen!

Alle: Herr, erbarme dich!

7. Gott, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist  für die Menschen am Runden Tisch, der ein Geist der Liebe ist, des einander Verstehens und Annehmens, ein Geist des Trostes und der Wahrheit, ein Geist der Verwirrtes zurecht bringt und alles ins rechte Licht rückt, ein Geist, der auch das Undenkbare denken hilft und neue Wege zeigen kann. Um diesen guten Geist flehen wir zu Dir für alle, die morgen am runden Tisch sitzen werden.

Alle: Herr, erbarme dich!

Jetzt möge jeder und jede seine eigenen  Anliegen in der Stille vor Gott tragen!

 

STILLE

 

 

Wir fassen einander an den Händen und beten gemeinsam das Gebet Jesu, das Gebet der Hoffnung!

 

 

Vater unser….

 

 

Lied: 171,1-4

Segen

 

Lied: Jesus Christus ist der Sieger

Gelesen 8811 mal Letzte Änderung am Samstag, 21 Juli 2012 18:28
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl und evangelische Polizeiseelsorgerin für den Landkreis Waldshut.

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