Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 08. April 2012 In Predigten 0 Comment

Predigt an Ostersonntag 2012 zum 1.Korintherbrief 15,54-58

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus! Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

Jesus ist Sieger! Ihm ist alle Macht gegeben. Das ist die Botschaft von Ostern. Es gibt keine Macht auf Erden, über die er nicht der Herr wäre. Jesus ist stärker als die Macht des Geldes, stärker als brutale Gewalt, stärker als alle Ängste und Nöte, und er ist stärker als der Tod!

JESUS IST SIEGER!

Darum singt der Apostel Paulus ein Siegeslied zu Ostern im 1. Korinther 15,54-58

Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Der Stachel des Todes ist die Sünde und die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn, Jesus Christus! Darum, meine lieben Brüder, seid  fest und unerschütterlich und nehmt immer zu im Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!

 

Habt ihr das gehört? Jesus gibt uns den Sieg! Das heißt doch: Wir sind mit ihm lauter kleine oder große Sieger! Ja, worüber siegen wir denn? Das ist ja kaum zu fassen!

Wir werden Sieger sein über den Tod, über das Böse, über die Gewalt, über alle Ängste und Nöte!

Können wir uns das  vorstellen? Siegen gegen den Tod? Das scheint uns ein Traum zu sein, den wir uns lieber nicht einmal vorstellen, denn die Wirklichkeit spricht eine ganz andere Sprache. Unser Leben ist täglich vom Tod bedroht. Da gehst Du noch fröhlich zur Vorsorge und wenig später weißt Du, Du bist krank. Da fährt einer wohlgemut fort und kommt nicht wieder. Da geht einer zur Routineoperation ins Krankenhaus und überlebt sie nicht. Da gehen Menschen zur Arbeit wie immer und dann  fliegt ihnen ein Atomkraftwerk um die Ohren.

Wir wissen ganz genau, wir haben das Leben nicht in der Hand. Und nun sagt der Apostel Paulus, durch Jesus seien wir stärker als das Böse und der Tod und die Gewalt! Kann das denn sein?

Wir müssen doch alle einmal wirklich sterben. Wie können wir dann stärker sein als der Tod?

Jesus sagt uns: Hört und seht! Ich lebe, obwohl ich gekreuzigt und begraben worden bin. Und ihr werdet auch leben, obwohl ihr sterben müsst. Ich will euch zu mir holen in mein Leben. Haben wir Christen deshalb etwa keine Angst mehr vor dem Tod? Doch, wir fürchten uns davor, Abschied nehmen zu müssen von unseren liebsten Menschen, und wir haben auch Angst vor dem Sterben müssen und den Schmerzen vielleicht, die die Krankheit bringt. Aber wir haben durch Jesus eine gewaltige Hoffnung, die ist stärker als der Tod. Da kann es sein, dass ein sterbender Mensch ganz getröstet gehen kann, weil er weiß, ich bin aufgehoben bei Christus. Der lässt mich jetzt nicht fallen. Da kann es sein, dass Trauernde zwar sehr traurig sind, aber doch den Mut zum Leben nicht verlieren, weil sie wissen, Christus ist gerade jetzt ganz nahe bei uns, weil er doch weiß, wie weh uns das jetzt tut. Er hing sogar am Kreuz für uns. Er kennt alle Schmerzen. Er ist bei uns. Wer um der Hoffnung auf Jesus willen, nicht aufgibt, der ist stärker als seine Not und Angst. Und Jesus sagt uns: Ihr werdet mit mir bei Gott leben.

Johann Sebastian Bach erlebte Fürchterliches in seinen jungen Jahren. Im Frühsommer des Jahres 1720 kam er von einem längeren Aufenthalt im böhmischen Karlsbad zusammen mit seinem Dienstherrn Leopold von Anhalt-Köthen endlich nach Hause zurück. Wie ein Blitzschlag trifft ihn dort die Nachricht vom Tod und bereits erfolgten Begräbnis seiner Frau Barbara Maria. Mit 35 Jahren ist Bach Witwer. – Trennung ohne Abschied ohne der geliebten Frau Beistand geleistet haben zu können. Es war eine zerstörerische Erfahrung. Damals gab es kein Handy und keine Mail. Man konnte nicht einfach auch nur mitgeteilt bekommen, dass zuhause jemand sich zum Sterben anschickte. Und Bach, wie hat er das überlebt? Dem fürchterlichen Todesschweigen setzt er Musik entgegen, eine Musik über den Choral: Christ lag in Todesbanden für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Und auch  Bach singt wie der Apostel Paulus gegen Ende seines Werkes vom Leben, mitten in seiner Trauer, von der Hoffnung, mitten in seinem Leid. Ja, es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben rungen, das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen!

Wir sind mit Jesus lauter Sieger!

Ja? Wirklich?  Ja, wirklich, auch unter Tränen noch, gilt uns schon: Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Trauer ist ein unendlich schmerzhaftes Leid und sie kann den Trauernden selbst in die Knie und in den Tod zwingen. Sie kann, und trotzdem gilt: Jesus ist stärker. Und er wird auch die an Trauer zu Grunde gegangenen ins Leben führen am Ende. Wir sind mit ihm Sieger! Der Apostel Paulus sagt: Wir alle sind in den Tod und in die Auferstehung von Jesus hineingetauft. Wir sind bei der Taufe Jesus auf den Rücken gebunden worden und jetzt nimmt er uns überall hin mit, wo er hingeht. Durch seinen Kreuzestod und durch sein Grab in seine Auferstehung hinein. Und er geht mit uns überall hin, wo unser Leben uns hinführt  bis in unser Sterben und unsern Tod hinein, und dann bringt er uns ans Ziel in sein ewiges Leben hinein.

Und bis wir dort ankommen, haben wir eine lohnende Lebensaufgabe. Wir sollen Sieger sein und bleiben über die Geldgier und Gewalt gegen andere Menschen und über Bosheit und alles Böse. Wir sollen Sieger sein über all das, was das Leben tötet und verschandelt. Ihr kennt  das ja alle: Da sind so viele Worte, die andere verletzen oder fast umbringen in der Folge, kaum dass sie ausgesprochen sind. Böse Worte sind scharf wie Messer. Wer schon einmal Mobbing erlebt hat, weiß, wie tödlich das wirkt für das Leben eines Betroffenen. Christen machen bei Mobbing nicht mit. Jesus sagt: Darüber seid ihr mit Ostern Sieger. Das habt ihr gar nicht mehr nötig, dass ihr dem andern Menschen Böses tut. Wer unglücklich ist, der wird leicht auch böse. Aber ihr müsst nicht unglücklich sein. Ihr könnt getrost sein und euch gut fühlen, denn ihr werdet geliebt, unendlich geliebt von dem auferstandenen Jesus Christus. Denkt mal, wenn einer für euch gestorben und auferstanden ist, wie sehr muss der euch lieb  haben? So gut wie Jesus zu uns ist, so gut dürfen wir zu den andern sein. Das ist unser österlicher Lebensauftrag. Alle Getauften haben diesen Auftrag. Wir sollen einander, jeder dem anderen ein Christus sein. Durch die Taufe in den Tod und die Auferstehung Jesu hinein, sind wir jetzt schon kleine Sieger, berufen zum Sieg über das Böse und alles, was den Tod bringt. Woran merkt man denn, dass einer dazu gehört? Menschen, die Christus folgen, die stiften Versöhnung, bauen am Frieden und sorgen für Gerechtigkeit zwischen den Menschen. Sie stiften Hoffnung und trösten die Traurigen. Sie geben nicht auf, nicht einmal dann, wenn der Tod ihnen selbst im Nacken sitzt, sei es durch Krankheit oder dass ihnen selbst einer ans Leder will, weil sie mit ihrer Wahrheitsliebe andere erzürnen. Martin Luther ging nach Worms, obwohl er den Tod befürchtete. Die Botschaft von Jesu Auferstehung kann Menschen ganz unerschrocken machen und zäh, beim Erreichen eines Zieles. Paulus ruft uns Christen auf, lebendige Zeugen für Jesu Auferstehung zu sein in unserem Alltag, eben dadurch, dass wir uns dem Tod und allem, was tödlich wirkt, nicht beugen, weil wir`s besser wissen! Er ruft uns zu: Seid fest und unerschütterlich bei solch christlichem Leben und Handeln aus Jesu Geist. Nehmt immer noch zu an Unerschrockenheit und Zuversicht gegen den Tod, weil ihr doch wisst: Es ist nicht umsonst und vergeblich, nein! Christus ist der Sieger und seine Art wird sich durchsetzten am Ende. Gottes Reich kommt! Und damit das endgültige Ende des Todes, dann auch alltäglich und wirklich! Von einem neuen unverweslichen Leib spricht Paulus. Es bleibt ein Geheimnis, wie dieser Leib sein wird. Aber er wird sein. Ganz neu und nie dagewesen und so wirklich, dass uns nur das Lob bleiben wird und das Rühmen. Wie aber soll uns über Jahre noch die Zuversicht und die Hoffnung gelingen, bei all der Lähmung, die uns oft befällt? Diese Geschichte hat mich ziemlich angerührt und bestärkt mich immer wieder darin, nicht nachzulassen in der Hoffnung und im Vertrauen auf Christus. Es wird erzählt eine alte Äbtissin musste erleben, wie ihre Ordensgemeinschaft immer kleiner wurde. Die Alten starben weg und Junge Schwestern kamen nicht nach, bis endlich nur mehr 5 Frauen übrig waren. Da suchte die Äbtissin eine weise alte Einsiedlerin auf, um  sie um Rat zu fragen. Sie erzählte von der Hoffnungslosigkeit, die die Schwestern alle ergriffen habe und fragte, was nun werden solle. Da sagte die Alte: Weißt Du denn  nicht, dass eine von Euch der Messias ist, auf den wir alle warten? Der Christus Gottes?

Die Äbtissin erschrak bei dem Gedanken. Der Messias in ihrem Kloster! Welche von uns… versuchte sie zu fragen. Aber die weise Alte legte nur den Finger auf ihren Mund und schickte die Äbtissin nach Hause. Dort erzählte sie nach dem Abendgebet, was die Weise Alte gesagt hatte. Die Schwestern starrten einander an und ab diesem Tag begann etwas ganz Neues. Voller Erwartung schauten sie einander an, taten sich alles zuliebe, was man sich nur zuliebe tun konnte, lachten miteinander und halfen den Menschen im Dorf, wo sie nur konnten. Sie haben nie herausgefunden, welche von ihnen der Messias wäre, aber etwas ganz Anderes geschah. Die Menschen aus der Umgebung kamen gerne ins Kloster, zum Gottesdienst und zum Rat holen und es gab unverhofft auch junge Mädchen, die mit den alten Schwestern leben wollten, denn sie sagten: Dort, bei den Schwestern, dort blüht das Leben. So träume ich österliche Gemeinde, so anziehend, so lebendig, so fröhlich, so tröstlich. Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Ja, wo wir einander beistehen gegen den Tod und alles, was den Tod bringt, da blüht das Leben, das Jesus uns aufgeschlossen hat. Und dies Geheimnis ist groß, -  dort wächst in uns die Hoffnung, dass wir bei ihm ankommen werden in seiner ewigen Herrlichkeit.

 

AMEN

Gelesen 3766 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 September 2012 16:34
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl und evangelische Polizeiseelsorgerin für den Landkreis Waldshut.

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