Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 29. April 2012 In Predigten 0 Comment

Predigt zur Konfirmation am 29. April 2012

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

mit dem heutigen Tag ist Euer Konfirmandenjahr zu Ende. Ihr seid ab heute erwachsene Mitglieder dieser Gemeinde. Ihr dürft das Patenamt für ein Kind übernehmen, denn jetzt habt ihr eigentlich alles gelernt, was nötig ist, was einer von Jesus wissen muss, um in seinen Spuren zu leben und also auch einem anderen Menschen vorzuleben und zu zeigen, wie das geht. Ihr habt es wohl begriffen, was Jesus meint. Das habt ihr mir gezeigt, als ich Euch vor wenigen Wochen fragte: Wie stellt ihr Euch Gemeinde vor, eine Gemeinde, in der ihr gerne leben würdet? Und da habt ihr gesagt, in dieser Gemeinde müsste ein Klima der Offenheit herrschen, so offen, dass auch ein Schwarzer angenommen wäre und willkommen. Und es müsste so sein, dass einer, der hier zur Türe hereinkommt  auch wahrgenommen wird, ganz persönlich und dass er nicht wieder zur Kirchentür hinausgeht, ohne daß ihm einer gut getan hat. Die Menschen  in einer Gemeinde müssten freundlich zueinander sein, sich gegenseitig helfen und einander unterstützen.

 

Ihr habt den Willen von Jesus erfasst. Ihr habt ihn so zielsicher erfasst, dass wir euch mit gutem Gewissen konfirmieren können.

Nun habt ihr euch damit aber auch eine Aufgabe gestellt! Ihr seid die jungen Gemeindeglieder! In euren Händen wird es liegen, solch eine Gemeinde, wie ihr sie beschrieben habt, nun auch zu leben. Antoine de Saint Exupery, der Dichter des kleinen Prinzen hat einmal gesagt: Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast. Ihr, liebe Konfirmanden habt Euch den christlichen Glauben und das Leben in einer Gemeinde vertraut gemacht. Nun seid ihr dazu gerufen, nicht wegzuschauen, wenn andere Euch brauchen, sondern Eure Verantwortung wahrzunehmen. Christus selbst ruft euch dazu!

Hier bleiben? Jetzt, wo das Konfirmandenjahr zu Ende ist? Ja, um das Bleiben geht es wohl, wenn ihr euch heute konfirmieren lasst. Um das Dranbleiben an Christus, um das Dranbleiben an seiner Sache, um das hartnäckige Verfolgen seines Weges, gerade um das, was ihr beschrieben habt! - Um ein Leben, das den Mitmenschen zugewandt bleibt und sich nicht bitter machen lässt, auch nicht, wenn Menschen euch enttäuschen werden .Und Enttäuschungen bleiben nicht aus im Leben. Es geht beim Christsein darum, dass ihr liebende, offene, den andern zugewandte Menschen bleibt. Es geht darum an Jesus Dranzubleiben, so dass ihr an seinen Lippen hängt und hört, was er sagt. So dass ihr ganz genau beobachtet, was er tut und euch immer wieder fragt: Was täte Jesus jetzt in meiner Lage? Das hilft schon in der Schule, wenn ihr am liebsten jemanden schneiden würdet oder ihm gar eine verpassen oder ihn mit Schimpfwörtern belegen, dann wird euch Jesus den Finger auf den Mund legen und sagen: Sprich kein Wort aus, das töten könnte! Wirf keinen verachtenden Blick, der andere schlägt. Verweigere nicht das menschliche Wort dem, der zu Gottes Bild geschaffen ist, wie du.

Das ist keine Kleinigkeit, wenn einer das lebt und tut. Das ist Nachfolge Jesu. Da bleibt einer ganz dicht an Jesus dran. Später wird man es merken, wenn ihr einmal in den Chefetagen sitzen werdet, wo ihr Eure Bleibe habt. Wenn ihr dann noch an Jesus dran seid, wenn ihr bei ihm geblieben sein werdet, dann werdet ihr mit Euren Mitarbeitern menschlich umgehen. Sie werden für Euch nicht einfach nur Arbeitsmaschinen sein, die ihr einsetzt, sondern Menschen mit einem Namen und mit einem Gesicht und mit einer Lebensgeschichte, die man nicht übersehen darf. Und so werdet ihr dann auch handeln. Christen nehmen andere Menschen wahr. Diese Mühe machen sie sich tatsächlich. Vergesst nicht, was ihr da entdeckt habt und was ihr euch auch selber für Euch gewünscht habt. Die Welt da draußen, in die ihr Christus in euch mitnehmt, ihr werdet sie gestalten können in seinem Geist, nicht in großem Umfang, aber in eurem Lebenskreis könnt ihr doch. Dort tut es. Lebt Gemeinde Jesu dort, wo ihr lebt. Tragt seinen Frieden und seine Liebe in euren Lebensumkreis hinein, in die Schule, in eure Familien und in eure Freundeskreise. Bleibt an Christus dran!

Neun mal kommt das kleine Wörtchen bleiben in unserem Predigttext heute vor. Mit dem Bild vom Weinstock und vom Bleiben an ihm sind wir ins Konfirmandenjahr aufgebrochen und mit diesem Bild wollen wir es auch beschließen: Johannes 15,1-8

Jesus sagt: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weinbauer. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht trägt, schneidet er ab; eine Rebe aber, die Frucht trägt, schneidet er zurück; so reinigt er sie, damit sie noch mehr Frucht hervorbringt. Ihr seid schon rein; Ihr seid es aufgrund des Wortes, das ich euch verkündigt habe. Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben! Eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Frucht hervorbringen; sie muss am Weinstock bleiben.

Genauso wenig könnt ihr Frucht hervorbringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemandin mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, geht es ihm wie der unfruchtbaren Rebe. Er wird weggeworfen und verdorrt. Die verdorrten Reben werden zusammengebunden und ins Feuer geworfen, wo sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, könnt ihr bitten, was ihr wollt: Eure Bitte wird erfüllt werden. Dadurch, dass ihr reiche Frucht tragt und euch als meine Jünger erweist, wird die Herrlichkeit meines Vaters offenbart.

 

Jesus selbst gebraucht dieses Bild vom Weinstock, um uns unsere unsichtbare Wirklichkeit zu zeigen, die Wirklichkeit hinter den Dingen der Welt. Jesus selbst ist der Weinstock und wir hängen an ihm als die Reben. Im Herbst konnten wir dieses Bild hinter der Sakristei live an dem Weinstock sehen, den Herr Marsal, unser Hausmeister und in diesem Jahr auch Konfirmandenvater, für uns gepflanzt hat.

Ihr seid die Reben sagt uns Jesus. Ja, wie sind wir denn dort auf den Weinstock Jesus hinaufgekommen? Durch die Taufe! Da hat er uns bei unserem Namen gerufen und da hängen wir nun an ihm, eng mit ihm verbunden, fest angewachsen. Das galt es im Konfirmandenjahr zu entdecken! Wer dort am Weinstock Christus hängt, der hat es gut. Der wird versorgt mit frischem Wasser und mit Nährstoffen, die dem Leben mehr Leben geben. Ich hoffe, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass ihr das ein bißchen gespürt habt, dass ihr es jetzt wenigstens ahnt, wo das wirkliche Leben tickt.

Ihr gehört zu Christus, durch die Taufe. Der versorgt mich  im Leben und im Sterben. Der geht mit mir durch dick und dünn. Der bleibt an meiner Seite auf allen Lebensstraßen. Der lässt mich nicht fallen, auch wenn es noch so dick kommt. Manchmal, da ist das Leben bitter ernst. Da verlangt es auch von so jungen Menschen wie euch eine ganze Menge. Da stimmt es mit den Eltern nicht so, wie man das bräuchte, oder die Schule macht einen krank oder man kann die geforderte Leistung nicht schaffen. Und dann wackelt der eigene Selbstwert. Dann ist es gut, wenn mir einer sagt: Du bist mir wert und wichtig. Jesus spricht dann so zu uns. Wer an ihm, dem Weinstock hängt, der braucht um seinen Wert  nicht bangen. Der wird nicht für seine Leistung geliebt, sondern um seiner selbst willen. Die Frucht, die Gott von uns erwartet, heißt nicht: Leistung ,gutes Gehalt und schönes Auto und Markenklamotten, sondern  wie ihr es gesagt habt: Liebe und Freundlichkeit und Wärme füreinander. Das Materielle ist Mittel zum Leben, nicht das Leben selbst. Das Leben selbst aber, das bekommen wir am Weinstock, Christus! Darum geht es für uns alle darum, dass wir an diesem Weinstock bleiben!

Dranbleiben an dem Christus und auf seinem Weg! Bleiben, für den Evangelisten Johannes bedeutet das so viel wie GLAUBEN! Ohne glauben können wir Menschen Gott nicht gefallen. Ohne Glauben haben wir keinen Platz am Weinstock Jesus. Darum sagt Jesus hier auch: Jede Rebe, die keine Frucht bringt, nämlich die Frucht des Glaubens, nimmt Gott vom Weinstock weg.

Wer aber glaubt und Gott sein ganzes Vertrauen geschenkt hat, der bringt Frucht. In ihm wachsen Hoffnung und Liebe heran, Geduld mit sich selber und mit den andern und der lange Atem der Liebe, der den andern Menschen mitträgt. Ohne Jesus können wir das nicht. Ohne ihn wird das nichts mit dem Fruchtbringen. Mitunseren eigenen Kräften sind wir ziemlich schnell am Ende. Aber mit Jesus werden wir Menschen, die das Leben entdecken, das gelingt, in Gottes Namen und in seinem Geist! Christen gehen den Christusweg. Sie hängen sich an den Weinstock Christus und der hat andere Werte als die, die auf der Welt gelten. Wir kennen Jesus als einen, der sagte:

Selig die Armen und nicht: Wer Geld hat ist glücklich.

Endlich einer , der sagt: Liebe deine Feinde! und nicht: Nieder mit den Konkurrenten!

Endlich einer, der sagt: Der Erste soll der Diener aller sein! Und nicht: Zeige, wer du bist!

Endlich einer, der sagt: Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt! Und nicht: Hauptsache vorwärts kommen!

Endlich einer, der sagt: Nimm und iß – Brot und Wein für Dich! Und nicht: Was kriege ich dafür?

Endlich einer, der sagt: Wer an mich glaubt, wird leben in Ewigkeit! Und nicht: Wer tot ist, ist tot!

Oder: Jeder muss sehen, wo er bleibt!

Jesus ist wohltuend anders! An ihm ist gut hängen!

Ein praktischer Rat an Euch, wie ihr an diesem Weinstock hängen bleiben und weiterwachsen könnt: Verachtet den Gottesdienst eurer Gemeinde nicht! Kommt gelegentlich vorbei und feiert mit uns, hört mit uns auf Gottes Wort. Es ist Wort, das das Leben erhält Feiert das Heilige Abendmahl mit. Und legt Eure Konfirmandenbibel nicht weg! Lest am besten täglich darin. Nehmt euch Zeit für einen kleinen Abschnitt und nehmt euch Zeit  zum Beten. Beten ist der Atem des Glaubens. Ohne Gebet, kein Glaube und kein Bleiben an Christus! Redet mit Christus, bringt ihm euer Freude und auch euren Kummer. Er hört euch ganz gewiss zu. Und ihr werdet immer fester mit ihm zusammen wachsen. So werdet ihr in ihm sein und er in euch. Und euer Leben, Lachen und Weinen, wird gesegnetes Leben sein in seiner Nähe. Ich wünsche Euch, dass ihr dranbleibt und schöne reife Reben werdet, dass euer Leben Frucht trägt und ihr das große Ziel erreicht, Gottes ewiges Reich.

 

AMEN

Gelesen 4295 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 September 2012 16:33
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

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