Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 02. Januar 2019 In Predigten 0 Comment

Predigt zu Jesaja 9,1-6 an Heilig Abend 2018

Predigt: Jesaja 9,1-6

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus!

AMEN

Aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man beute austeilt. Denn Du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn daher geht, und jeder Mantel durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren

Ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.

Und er heißt: Wunder-Rat - Gott-Held - Ewig-Vater – Friedefürst,

auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich,

das er´s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

Liebe Gemeinde,

ein großes Licht sehen, mitten in meiner Dunkelheit – das ist nicht ganz so leicht, und wenn es so sein darf, ist es ein Wunder!

Eine Welt, in der niemand mehr andere Menschen unter sein Joch zwingt, die wäre ein Wunder!

Eine Welt, in der es weder Soldatenstiefel noch Soldatenmäntel gäbe, die wäre ein Wunder!

Ein Herrscher von der Art wie Jesaja ihn besingt, einen Friedefürsten, einen wunderbaren Ratgeber, der nicht an sich nur, sondern an die andern denkt, das wäre ein Wunder!

Heute sind wir hier, weil wir insgeheim auf diese Wunder hoffen, sie ersehnen, sie von ganzem Herzen mit unserem Glauben erbitten und weil wir ahnen, dass wir einen guten Grund dazu haben: Das Kind in der Krippe! Jesus, den Mann aus Nazareth.

Ja, uns ist ein Kind geboren. Ein Kind! Da steht nicht einer vor uns, der breitschultrig über die ganze Welt posaunt: Heaven first! Da liegt einer in einer Futterkrippe und kann noch gar nichts sagen. Doch könnte er es schon, dann hieße sein Motto: Gott für die Menschen!

Gott selbst ist in diesem Kind zur Welt gekommen, nicht um sie zu bedrücken, sondern um sie zu ertragen. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein! So hat Martin Luther gedichtet. Jesajas uralter Text hat die Hoffnungen der Menschen aller Zeiten verdichtet und in Worte gefasst: Wir Menschen brauchen Licht in all den Dunkelheiten, die uns auf unserem Lebensweg einholen. So oft stehen wir ratlos da und wissen nicht weiter. Kein Ausweg zeigt sich in einer Sackgasse. Was muss ich jetzt tun? Wie mache ich es richtig? Soll ich diesen Menschen heiraten? Muss ich meine Mutter jetzt ins Pflegeheim bringen oder schaffe ich es noch allein? Wie soll ich mich entscheiden, Operation ja oder lieber doch nein? Ist das die richtige Stelle für mich? Wo ist denn nun mein Platz? Mit so manchem sind wir im Alltag einfach überfordert. Dann sind wir darauf angewiesen, dass wir Rat bekommen und dass wir darauf vertrauen können, dass Einer ist, der es gut mit uns meint und uns manches einfach auch zum besten fügt durch andere Menschen oder durch gute Einfälle, die er uns schickt. Jesaja sagt, da gibt es einen, der ist ein wunderbarer Ratgeber, der plant wunderbare Taten, auch für Dich. Vertrau! Ganz oft habe ich das schon erlebt, dass sich mir die Dinge zum Besten gefügt haben. Licht kam ins Dunkel und Wegweisung kam. Das Kind, das uns geboren ist, ist ein guter Herr, der uns immer auf dem Schirm hat.

Aber nun leben wir ja unser kleines Leben nicht nur ganz privat und in unserer Familie, wir leben es mitten drin in der großen Welt. Wir hängen ab von den Entscheidungen der Großen auf dieser Welt, sei es politisch oder auch finanziell. Und im Augenblick beurteilt wohl keiner den Zustand Europas positiv. Wir haben Angst, dass Europa zerbrechen könnte und mit ihm der so kostbare Friede, den wir nun schon so lange genießen.

Und nun hören wir verwundert die Botschaft: Uns ist ein Kind geboren und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Ist das nicht gewagt, was der Jesaja da sagt? Ein kleines Kind als Friedefürst? Ein schwaches, hilfloses kleines Kind als der, der die ganze Welt verwandeln kann als der, der Frieden macht? Genauso hören es auch die Hirten auf dem Feld vor Bethlehem: „Euch ist heute der Heiland geboren. Und das habt zum Zeichen. Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!“

Wo ist dieser Friede? Sobald wir den Fernseher anschalten, wissen wir schon gleich, dass auf dieser Welt der Friede rar ist. Und so lesen und hören wir die Botschaft auch in diesem Jahr mit Sehnsucht, wohl wissend, dass dieser Friede noch nicht eingelöst ist, dass er aber dieser Welt eingesät ist, seit Bethlehem.

Die Verwandlung der Welt beginnt mit einem Kind! Das habt zum Zeichen, ein Kind in Windeln gewickelt, nicht mehr und auch nicht weniger! Gott übt seine Herrschaft nicht aus, indem er machtvoll und mit Schwertern und Soldatenstiefeln in die Weltgeschichte eingreift. Er ist ganz unscheinbar da. Dass er Macht hat, sieht man ihm nicht an. Im Gegenteil. Sein Sohn liegt in einem Futtertrog und ist selbst der Liebe und der Zuwendung bedürftig. Und doch, wer sich auf dieses Kind einlässt, merkt schnell, dass er selbst der Beschenkte ist.

Viel Weihnachtslegenden erzählen davon, das mürrische Hirten an der Krippe plötzlich ganz verwandelt werden, dass solche, die krank und hinkend kamen, aufrecht und heil wieder weggehen.

Die Herrschaft des Kindes ist eine sanfte, eine zurechtbringende Herrschaft, später wird der erwachsene Jesus sagen: „Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Jesus herrscht durch sein Wort, das tröstet und Mut macht und zurechtbringt. Sein Wort kann Menschen ganz und gar verwandeln. Wo das geschieht, da geschieht ein Wunder. Jeder Seelsorger weiß, dass er das nicht machen kann und dass er dieses Wort nicht selbst gefunden hat, wenn er es denn sagen durfte. Aber erleben kann einer das auf Erden, dass ihn ein Wort von Jesus frei und getrost macht und einen tiefen Frieden im Herzen und über das Leben ausbreitet. Menschen gehen dann wirklich behütet und getröstet wunderbar ihren Weg weiter. Genau das ist den Hirten in der Nacht von Bethlehem geschehen. Sie kommen und sehen das Kind, genauso wie der Engel es ihnen gesagt hat. Und sie erkennen mit dem Herzen, wer dieses Kind ist – Gott von Angesicht mitten in ihrer schäbigen Welt, die so voller Unrecht und Kleinkariertheit und Verachtung für sie ist, Gott, der ihnen Achtung entgegenbringt und sie würdigt als seine Menschen. Und da gehen sie weg von der Krippe, wirklich aufrecht und aufgerichtet in ihrem Dasein und loben und preisen den Gott, der die Welt trägt durch sein Kind, sein Wort. Sie gehen behütet und getröstet wunderbar. Sie gehen nicht in eine andere Wirklichkeit zurück. Sie sitzen wieder am Feuer draußen bei ihren Schafen. Sie werden wieder die Verachtung der andern erfahren. Aber für sie hat sich das Leben verändert. Sie sind ihres Gottes gewiss. Sie wissen genau, dass sie in seinem Herzen einen Platz haben. Diese Gewissheit wird tragen.

Gott verwandelt die Welt durch diese Geburt. Er kommt selbst und wird Mensch. Er sät der Welt den Wandel ein. Er verwandelt sie schon jetzt dadurch, dass Menschen eine andere Haltung zum Leben gewinnen. Menschen widerstehen ihrer Angst, weil Gott da ist. Auch wenn die Welt noch weit entfernt davon ist ein Friedensreich zu sein, lebt die Sehnsucht und die Hoffnung darauf wie ein unauslöschbares Licht. Dieses Licht scheint in der Finsternis dieser Welt, leuchtet an den Orten, wo keiner sein will. Gewiss, manchmal können wir es dann dort gar nicht mehr wahrnehmen. Aber der, von dem dieses Licht ausgeht ist ein starker Gott, stark wie ein Held. Der kann uns halten und tragen, auch wenn wir gar nichts davon merken. Und sein Wort ist fest wie ein Fels in der Brandung. Und dieses Wort verspricht uns: Das Kind ist der Friedefürst und das Licht für die Welt und es wird eines Tages Gerechtigkeit und Recht schaffen und Frieden, nicht nur in den Herzen der Menschen, sondern auch als erfahrbare Wirklichkeit auf Erden. Solches wird tun, der Eifer Gottes für seine Menschen. Wie stark dieser Friedefürst ist, hat sich im Lauf der Geschichte immer wieder erwiesen, als Deutsche und Engländer im Schützengraben des 1. Weltkrieges zusammen Heilige Nacht gefeiert haben und die Waffen weggelegt haben, als die Mauer im geteilten Deutschland fiel, weil viele dem Friedfürsten die Dinge ans Herz legten und sich beharrlich zu den Friedengebeten trafen. Wir dürfen gespannt sein, was er noch alles wirken wird! Uns ist ein Kind geboren, der Friedefürst, der Gott mit uns.  Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Er trägt die ganze Welt und uns auch.

AMEN

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  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl und evangelische Polizeiseelsorgerin für den Landkreis Waldshut.

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