Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 23. August 2014 In Predigten 0 Comment

Predigt zu Genesis 28,10 – 22 am 24.08.2014

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus! Amen

Text: Genesis 28,10 – 22

Liebe Gemeinde,

eine Gottesbegegnung wird hier erzählt, eine, die wir vielleicht auch gerne so erleben würden. Für Jakob scheint sich in jener Nacht das Geheimnis Gottes ein ganz klein wenig zu lüften! Für einen Moment im Traum ist Gott hörbar, ja sogar sichtbar und seine Herrlichkeit umflutet den schlafenden Jakob, der inmitten einer Steinwüste übernachtet. Das göttliche Licht fließt die Himmelstreppe herab und Gottesboten, - Engel - steigen in diesem Licht die Treppe hinauf und herab. Diese Boten sprechen kein Wort mit Jakob, allein, er sieht sie hinauf und hinab eilen!

 

Jakob befindet sich in einer Krise. Sein Leben steht an einem einschneidenden Wendepunkt. Er hat seinem Bruder Esau zunächst mit einem Teller Linsen sein Erstgeburtstrecht abgenommen. Und nicht genug damit hat er ihn  nun mit List auch noch um den Segen des Vaters betrogen. Der väterliche Segen steht dem Älteren zu, aber Jakob wollte diesen Segen unbedingt! Und vor allem Mutter Rebecca wollte es so. Nach alledem aber ist das Zusammenleben in der Familie nicht mehr möglich. Esau trachtet seinem Bruder Jakob nach dem Leben. Jakob muss fliehen! Alles steht in Frage, sein Leben, sein Handeln, ja er selbst steht in Frage vor sich selber, vor Gott und den Menschen. Ausnahmezustand, Krise, Existenznot, wo wird sie enden? Da liegt der Jakob nun, erschöpft von der Flucht und da ist dieser Traum, dieses nächtliche Erleben. Was soll Jakob davon halten? Ist das wahr oder sind Träume nur Schäume? Jakob hört ganz deutlich und genau die Stimme Gottes:“ Ich bin der Gott deines Großvaters Abraham und deines Vaters Isaak!“ Jetzt steht Jakob vor Gott. Er ist der nächste in der Generationenfolge. Nun wird er indirekt eingeladen, sich einreihen zu lassen in die Reihe der Glaubenden, so wie Abraham und Sara, Isaak und Rebecca. Sie alle haben schon vor Jakob an Gott geglaubt und sich in allen Nöten des Lebens an ihn gewandt und Hilfe erfahren. Nun ist Jakob eingeladen, einzutreten in den Raum des Glaubens. Wird er sich darauf einlassen?

Werden sich die Kinder, die wir zur Taufe tragen und jene, die wir konfirmieren darauf einlassen, dem Gott ihrer Väter und Mütter zu trauen? Wir haben es nicht in der Hand. Wir können darum nur beten und ihnen von Gott erzählen und von unserem Glauben. Das Entscheidende aber wird Gott an ihnen wirken müssen: Ihnen zu begegnen auf die Art, wie sie es verstehen werden, damit sie ihm wirklich vertrauen können. Wie ging das bei Jakob?

Jakob, der um den Segen stritt  mit seinem Bruder, der ihn sich erstritt mit Gewalt, der steht nun vor dem Gott, der allein diesen Segen geben kann. Und da geschieht es ihm, dass Gott ihm aus heiterem Himmel den erlisteten Segen höchstpersönlich zuspricht! Mit Jakob soll Gottes Segens-Geschichte mit seiner Menschheit weitergehen. So wie es Abraham schon hörte und dann Isaak, so empfängt nun Jakob die Gottesverheißung: Das Land, auf dem du liegst will ich dir und deinen Nachkommen geben! Und Jakob hört, dass ein Volk aus ihm werden soll und dass durch dieses Volk alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden sollen. Da hat Gott schon viel weiter gedacht als die, die es für uns aufgeschrieben haben. Der Segen für die Völker, der sollte durch den Juden, Jesus Christus, kommen, einen aus Abrahams Geschlecht. In ihm haben Menschen aller Völker Zugang zu Gott bekommen und werden zu seinem eigenen Volk dazugerechnet. Viel, viel später ist das geschehen. Und die Verheißung an Abraham und die Erzväter hat sich für uns Christen in Jesus Christus erfüllt.

Bleiben wir heute bei Jakob! Ihm verspricht Gott nun ganz persönlich, er werde ihn behüten, wo er auch hinzieht und werde ihn auch wieder heimbringen. Verlassen aber werde er ihn niemals.

Dann wacht Jakob auf. Und er sagt nun nicht, ach, das war nichts als ein schöner Traum! Nein, dafür war das ganze Erleben viel zu stark und zu wirklich und zu wahr. Jakob weiß, dass er es tatsächlich mit Gott zu tun bekommen hat. Er hat gar keinen Zweifel daran. Und so ruft er aus: Hier an diesem Ort ist Gott gegenwärtig! Ja, es gibt solche Orte, vielleicht auch in unserem Leben, Orte, an denen Gott uns begegnet ist, ganz nah und so eindeutig, dass wir dahinter nicht zurück konnten. Die Bibel erzählt immer wieder, wie Menschen bis ins Innerste erschrecken und bewegt sind, wenn ihnen der lebendige Gott begegnet. Vielleicht deshalb, weil dann zu spüren ist, dass da eine Macht ist, die Herr ist über Leben und Tod. Und der Instinkt sagt möglicherweise, wie beim Propheten Jeremia, lieber nicht damit  einlassen, es könnte gefährlich werden, sich auf solch eine mächtige Kraft einzulassen. Ja, es könnte mein Leben schwerwiegend verändern. Ich könnte Dinge tun sollen, die mir Anfeindungen, Ausgrenzungen und ganz Unberechenbares einbringen. Und der, auf den ich mich einlasse, der ist nicht fassbar und sehr viel größer und stärker als ich. Jeremia hat viel gelitten um des Wortes Gottes willen. Man trachtete ihm nach dem Leben. Aber, er blieb bewahrt. Andere sind im Dienst Gottes gestorben. Auch das liegt im Bereich des Möglichen.

Jakob ist nach jener Nacht tief bewegt. Er fürchtete sich vor dem Heiligen, dem er begegnet war. Und er erkennt, dass er dem Himmel nahe ist an dem Ort, wo er geschlafen hat. Darum gibt er dem Ort den Namen: Bethel, was so viel bedeutet wie "Haus Gottes"! Bis heute heißt der Ort so. Jakob merkt dort, dass Gott sich offenbar nicht mit einer ausgewählten Eliteschar von Helden und Gutmenschen verbündet, sondern mit jedem Menschen, der sich dazu herausfordern lässt, dass Gott durch ihn in dieser Welt wirken darf. Und durch solche Menschen geschieht es, dass sie im richtigen Moment am richtigen Ort sind und Entscheidendes  bewirken für einzelne andere oder sogar für die Weltgeschichte.

Jakob wird in jener Nacht zu dem Menschen, durch den Gott seinen Segen unter die Völker bringen will. Die Gewissheit jener Nacht, an Gottes Herzen zu sein, sie hat Jakob viele Jahre getragen, die Jahre bei Laban, als er um Rahel diente und Lea erhielt, all die Jahre, in denen seine 13 Kinder zur Welt kamen und erst auf dem Heimweg, zurück ins Land seiner Väter, da hat Jakob die Angst gepackt und der Zweifel und die alte Schuld an Esau. Es gibt immer wieder Zeiten im Leben, in denen alte Gewissheiten zerbrechen und wieder alles in Frage steht, Krisenzeiten, die nach einer Neuordnung des eigenen Lebens verlangen. So geschieht es Jakob, als nach Jahrzenten die Wiederbegegnung mit Esau bevorsteht. Jetzt muss es sich erweisen, ob Gott ihn behütet nach Hause bringen kann und ob der einmal empfangene Segen also tragen wird. Wird er  stark genug sein, um mit dem Bruder ins Reine kommen zu können? Wieder geschieht es an einem Wendepunkt seines Lebens, dass Jakob Gott begegnet. Es geschieht im nächtlichen Kampf mit einem Unbekannten an der Grenze zur Heimat. Jakob und der Unbekannte sind nahezu gleich stark. Der Kampf dauert bis ins Morgengrauen und der Fremde bittet Jakob, ihn gehen zu lassen. Jakob aber sagt: Ich lasse dich nicht gehen, bis du mich gesegnet hast! Jakob muss sich seines Segens vergewissern. An diesem Punkt seines Lebens kommt alles darauf an, dass er ein gesegneter des Herrn ist. Wie sonst sollte er die Begegnung mit Esau durchstehen! Und da gibt ihm der Unbekannte einen neuen Namen. Nicht mehr Jakob soll er heißen, sondern Israel, denn er hat mit Gott und mit Menschen gekämpft und hat gewonnen. Ein neuer Abschnitt beginnt in Jakobs Leben und Glauben.

Jakob-Israel macht die Erfahrung, dass Gott zu ihm steht! Auch jetzt in der Krise in der Mitte seines Lebens. Und er erlebt, wie Gott das wahr macht mit dem Behüten und wieder Heimbringen. Die Versöhnung mit seinem Bruder Esau glückt. Jakob-Israel erlebt sich als Gesegneter des Herrn. Er erlebt, dass Gott ihn trotz seiner Schuld hält und trägt und ihm seine Gnade und Treue schenkt. Gott bleibt ein Geheimnis, für Jakob und für uns. Und es ist gut so. Niemals kann ein Mensch wissen, wann Gott ihm begegnet. Keiner kann das planen oder erzwingen. Niemand kann es vermitteln oder hervorrufen. Gott kommt, wann und wo und wie er will, eben aus heiterem Himmel. Und er kommt oft anders als wir uns das so vorstellen. Zu Jakob kommt er im Traum. Mose hört ihn aus einem brennenden Dornbusch, Elia begegnet ihm auf dem Berg Horeb und Maria zuhause bei ihrer Arbeit vermutlich. Und auch heute noch geschieht es, dass Menschen von Gott überrascht werden, dass er sie in eine Aufgabe ruft wie Mose oder sie tröstet wie Jakob. Gemeinsam ist all diesen Gotteserlebnissen, dass sie so deutlich sind und so eindrucksstark, dass Menschen danach ihrer Sache sicher sind und ihres Gottes gewiss. Der Pfarrer und Künstler Sieger Köder hat zum Traum Jakobs ein Bild gemalt. Da sieht man den schlafenden Jakob und die Treppe, die von ihm am Boden bis in den Himmel ragt. Rechts und links der Treppe sind segnende Hände über Jakob ausgebreitet und über den Betrachter auch. Das ist das, was Gotteserfahrungen verbindet: Menschen erleben Gott als einen, der sie segnet und leitet in ihrem Leben. Das macht getrost. Denn wenn der Himmel mich leitet, dann bin ich auf einem guten Weg.

Jesus hat uns Gott, seinen Vater, beschrieben als den, der allezeit auf uns wartet, der hinter uns steht und es bedingungslos gut mit uns meint, nicht nur im Traum, sondern vor allem in der alltäglichen, oft harten Wirklichkeit.                                   

AMEN

Gelesen 4440 mal Letzte Änderung am Montag, 25 August 2014 11:16
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

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